KI-Unterstützung und Automatisierung in der Revision: was pruvia übernimmt
pruvia ist eine KI-gestützte, weitgehend automatisierte Revisionssoftware für die Schweiz. Sie führt die eingeschränkte und die ordentliche Revision sowie Spezialprüfungen vom Annahmeentscheid bis zum unterzeichneten und zugestellten Revisionsbericht digital durch. Der Grundsatz dabei: Sie prüfen, pruvia dokumentiert. Jeder Schritt legt seine Arbeitspapiere gleich mit an, die KI schlägt vor, und die Prüferin oder der Prüfer entscheidet. Diese Seite zeigt Schritt für Schritt, was automatisch geschieht, wo die KI hilft und wo sie bewusst nicht eingreift.
Stand 6. Oktober 2026
Der Grundsatz: Vorschlag, Entscheid, Nachweis
Drei Regeln gelten in jeder Funktion von pruvia. Erstens: Was sich aus den Daten ableiten lässt, rechnet pruvia selbst, deterministisch und jederzeit nachvollziehbar, zum Beispiel Leadsheets, Kennzahlen, Wesentlichkeit, Kapitalsituation oder die 14 Prüfmuster der Buchungsanalyse. Zweitens: Wo Beurteilung nötig ist, formuliert die KI einen Vorschlag mit Begründung; er wird erst durch eine ausdrückliche Übernahme zum Arbeitspapier. Drittens: Jede Übernahme trägt Visum, Zeit und Herkunft. So bleibt das Prüfdossier das Werk der Revisionsstelle, und die Standards SER und SA-CH werden eingehalten, die die Verantwortung bei der prüfenden Person belassen.
Was in jedem Prüfschritt automatisch geschieht
| Prüfschritt | Automatisch durch pruvia | Vorschlag der KI | Entscheid der Revisionsstelle |
|---|---|---|---|
| Datenimport | Saldenbilanz aus PDF, Excel oder CSV einlesen, Konten dem Schweizer KMU-Kontenrahmen zuordnen, Geschäftsjahr als eigene Akte mit Vorjahr anlegen, Bilanz und Erfolgsrechnung aufbauen. | Nur bei gescannten PDF ohne Textebene liest die KI die Zahlen; bei Dateien mit Textebene arbeitet pruvia lokal. | Spaltenzuordnung bestätigen, Konten mit Zweifel prüfen. |
| Annahme und Unabhängigkeit | Prüfungsvoraussetzungen und Unabhängigkeitsfragen als Checkliste, Wahlannahmeerklärung als Word oder PDF, Auftragsbestätigung aus Vorlage mit digitaler Unterzeichnung. | – | Antworten geben, Annahme freigeben, unterzeichnen. |
| Planung und Wesentlichkeit | Bezugsgrösse mit Empfehlung, Wesentlichkeit und Toleranzwesentlichkeit, Kennzahlen- und Abweichungsanalyse mit automatisch erkannten Auffälligkeiten, Prüfungstiefe je Gebiet nach Risiko. | Markt, Umfeld und Geschäftskenntnis des Unternehmens als Textvorschlag; bei ordentlicher Revision Hinweise zu dolosen Handlungen nach ISA-CH 240. | Risiken beurteilen, Wesentlichkeit festlegen, Planung freigeben. |
| Buchungsanalyse | Das ganze Buchungsjournal gegen 14 feste Prüfmuster (Journal Entry Testing): Wochenend- und Nachtbuchungen, runde Beträge, Splitting, Benford, manuelle Buchungen, Buchungen über der Wesentlichkeit und weitere. | Keine KI, feste Regeln: gleiche Daten ergeben immer dieselben Befunde. | Jedes Muster mit «Risiko» oder «kein Risiko» beurteilen. |
| Prüfgebiete und Leadsheets | Leadsheets je Prüfgebiet aus dem Abschluss, Prüfprogramm nach Prüfungsart, Nachweise aus dem Kundenportal landen direkt im richtigen Prüfgebiet, erhöhtes Risiko blendet weiterführende Handlungen ein. | Prüfungshandlung anhand der hinterlegten Belege, Kontenabstimmung (steht der Saldo auf dem Beleg?), Ursachensuche bei einer nicht aufgehenden Saldenbilanz. | Handlungen visieren, Vorschläge übernehmen oder verwerfen, Gebiet abschliessen, Review durch die zweite Person. |
| Befragungen und Unterlagen | Befragung je Prüfgebiet als ausfüllbares PDF oder über das Kundenportal, Antworten fliessen ins Prüffeld; Unterlagen mit Frist und automatischer Erinnerung anfordern; Pendenzenliste aus den Prüfgebieten, auch an den Kunden. | Formulierung der Fragen auf Wunsch. | Fragen auswählen, Antworten würdigen. |
| Ordentliche Revision | IKS-Prüfung mit Kontrollinventar, Bankbestätigungen nach ISA-CH 505 mit Anfrageschreiben je Bank aus dem Import, Stichproben-Rechner (Attribut und MUS), umfassender Bericht an den Verwaltungsrat als Word. | Schlüsselkontrollen aus einer Prozessbeschreibung. | Kontrollen testen, Rücklauf beurteilen. |
| Gesprächsnotiz | Gespräch mit Zustimmung aller Beteiligten aufnehmen, Transkription in der Schweiz (AWS Zürich). | Entwurf mit Zusammenfassung, Aussagen, offenen Punkten, Aufgaben und Zuordnung zu den Fragen der Befragung. | Erst die Freigabe macht die Notiz zum Arbeitspapier. |
| Prüfungsabschluss | Feststellungen gegen die Wesentlichkeit, Kapitalsituation nach Art. 725 ff. OR, Voraussetzungen für den Bericht; Schlussbesprechung mit Rückmeldung des Kunden per Link und Einmalcode; Vollständigkeitserklärung mit Jahresrechnung als Beilage. | – | Abschluss mit Visum freigeben, Vollständigkeitserklärung zur Unterschrift senden. |
| Revisionsbericht | Bericht aus Textbausteinen im EXPERTsuisse-Wortlaut, Vorauswahl aus dem Prüfungsergebnis (Prüfungsaussage, Zusätze zu Art. 725 ff. OR, Hinweise), in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch, im Design des Revisionsunternehmens. | – | Wortlaut prüfen, Bericht freigeben, qualifiziert signieren. |
| Unterzeichnung und Zustellung | Digitale Signatur über Skribble (QES für die Revisionsstelle, SES für den Kunden); nach der unterzeichneten Vollständigkeitserklärung wird der Bericht automatisch zugestellt, per Link mit Einmalcode statt Mail-Anhang. | – | Signieren. |
| Prüfdossier und Archiv | Gesamte Dokumentation als PDF mit Nachweisen oder ZIP mit signierten Dokumenten, Stände archivieren, Dauerakten über mehrere Jahre, Aktivitätsprotokoll mit Erinnerungen. | – | Stand archivieren. |
| Qualitätsmanagement | ISQM-CH 1 mit acht Komponenten, Nachweise aus den Prüfdaten, Nachschau mit Bericht, jährliche Beurteilung; ISQM-CH 2 auf Auftragsebene; Organisation mit Personen, Zulassungen, Reglementen, Versicherungen und RAB-Meldungen. | – | Beurteilen, Massnahmen festlegen. |
Eine Statusübersicht auf jeder Mandatsseite zeigt, wo die Prüfung steht; das Mandats-Cockpit fasst Kennzahlen, Wesentlichkeit, Kapitalsituation, Fortschritt je Prüfgebiet, Feststellungen und Pendenzen zusammen. Die Dokumentation entsteht dabei nebenbei: Wer die Schritte durchläuft, hat am Ende das vollständige Prüfdossier.
Wo die KI unterstützt
pruvia setzt KI dort ein, wo Text zu formulieren, Belege zu lesen oder Zusammenhänge zu suchen sind. Konkret:
- Geschäftskenntnis: Vorschläge zu Markt, Umfeld und Besonderheiten des geprüften Unternehmens für die Planung.
- Belegprüfung: Die Prüfungshandlung wird anhand der hinterlegten Belege vorbereitet, inklusive Kontenabstimmung: Steht der Saldo auf dem Beleg, und wenn nicht, was fehlt?
- Ursachensuche: Geht die Saldenbilanz nicht auf, sucht die KI nach den wahrscheinlichen Gründen, etwa Vorzeichen, Wechselkonten oder fehlende Konten.
- Befragung: Fragen je Prüfgebiet ausformulieren, Antworten den Fragen zuordnen.
- IKS (ordentliche Revision): Schlüsselkontrollen aus einer Prozessbeschreibung ableiten.
- Gesprächsnotiz: Transkription und Entwurf mit Zusammenfassung, Aussagen, offenen Punkten und Aufgaben.
- Fach- und Bedienungsfragen: Eine Assistentin beantwortet Fragen zu SER, OR und zur Bedienung, kontextbezogen zum aktuellen Thema; der SER-Volltext ist in der Anwendung hinterlegt und aus den Prüfgebieten verlinkt.
- Import von Scans: Nur wenn ein PDF keine Textebene hat, liest die KI die Zahlen; sonst arbeitet pruvia lokal und deterministisch.
Wo die KI bewusst nicht eingreift
Die Buchungsanalyse mit ihren 14 Prüfmustern, die Leadsheets, Kennzahlen, Wesentlichkeit, Kapitalsituation und der Berichtswortlaut sind feste Regeln ohne KI. Kein KI-Ergebnis gelangt ohne Freigabeschritt in ein Arbeitspapier. Die KI kann je Unternehmen abgeschaltet werden; pruvia funktioniert dann mit allen deterministischen Automatismen weiter. Und sie trifft keine Prüfungsaussage: Die Beurteilung von Risiken, Feststellungen und Bericht bleibt bei der Revisionsstelle.
Datenschutz der KI-Funktionen
Die KI läuft ausschliesslich über Rechenzentren in der EU (AWS Bedrock, Endpunkt Zürich, Modell-Inferenz EU-weit) und ist fail-closed: Ist der europäische Weg nicht verfügbar, gibt es keine KI-Antwort, keine Verarbeitung in den USA. Identifizierende Angaben werden bei textbasierten Funktionen pseudonymisiert; bei Belegen ist das technisch nicht möglich, deshalb entscheidet das Unternehmen, ob es die Belegprüfung nutzt. Nichts wird zum Training von Modellen verwendet. Die Anwendungsdaten liegen in der Schweiz, jedes Unternehmen in einer eigenen Datenbank, mit obligatorischer Zwei-Faktor-Anmeldung und automatischen Sicherungen. Die KI ist im Preis enthalten.
Standards und Prüfungsarten
pruvia deckt die eingeschränkte Revision nach dem Schweizer Standard zur eingeschränkten Revision (SER, Art. 729 ff. OR), die ordentliche Revision nach den Schweizer Prüfungsstandards (SA-CH, Art. 728 ff. OR) mit den Modulen dolose Handlungen (ISA-CH 240), IKS-Prüfung, Bankbestätigungen (ISA-CH 505), Stichproben und umfassender Bericht an den Verwaltungsrat (Art. 728b OR) sowie Spezialprüfungen nach PH 10 «Besondere Vorgänge» ab: Gründung, Nachliberierung, Kapitalerhöhung und -herabsetzung inklusive Kapitalband und bedingtem Kapital, Unterbilanz, Zwischenabschluss und Aufwertung bei Kapitalverlust, Umwandlung, Liquidation; dazu die SER-Sonderberichte zu Zwischendividende und Art. 725a Abs. 2 OR. Rechtsformen: AG, GmbH, Genossenschaft, Verein, Stiftung und weitere. Die Qualitätssicherung folgt ISQM-CH 1 im Revisionsunternehmen und ISQM-CH 2 auf Auftragsebene.
Häufige Fragen
Ersetzt die KI die Prüferin oder den Prüfer?
Nein. Die KI bereitet vor und schlägt vor; jede Übernahme in ein Arbeitspapier ist ein bewusster Schritt mit Visum. Prüfungsaussage, Risikobeurteilung und Bericht bleiben bei der Revisionsstelle, so wie es SER und SA-CH verlangen.
Wie hoch ist der Automatisierungsgrad?
Alles, was aus Abschluss, Journal und Belegen ableitbar ist, entsteht ohne Handarbeit: Leadsheets, Kennzahlen, Wesentlichkeit, Kapitalsituation, Prüfprogramm, Buchungsanalyse, Berichtsvorauswahl, Zustellung und Dossier. Handarbeit bleibt dort, wo Beurteilung nötig ist. In der Praxis bedeutet das, dass die Dokumentation beim Prüfen entsteht und am Ende kein Zusammensuchen aus Word, Excel und PDF nötig ist.
Welche Daten gehen an die KI?
Nur das, was die jeweilige Funktion braucht, pseudonymisiert, soweit technisch möglich, und ausschliesslich an Rechenzentren in der EU mit Endpunkt Zürich. Nichts davon wird zum Training verwendet. Die Funktion lässt sich je Unternehmen abschalten.
Ist die Buchungsanalyse KI-gestützt?
Nein, absichtlich nicht. Die 14 Prüfmuster des Journal Entry Testing sind feste Regeln, damit gleiche Daten immer dieselben Befunde ergeben und die Herleitung im Dossier nachvollziehbar bleibt.
Was passiert, wenn die KI nicht verfügbar ist?
pruvia zeigt einen kurzen Hinweis, und der Schritt lässt sich manuell abschliessen. Alle deterministischen Automatismen laufen unabhängig von der KI weiter.
pruvia ausprobieren
Der Systemrundgang zeigt pruvia mit Beispieldaten, ohne Registrierung, inklusive KI-Vorschlägen an einer Prüfungshandlung. Für Fragen zu Ihrem Revisionsunternehmen vereinbaren Sie eine Online-Demo.
Weitere Wissensseiten
Audit-Software Schweiz
Was eine Revisionssoftware für Schweizer Revisionsunternehmen können muss – Punkt für Punkt mit dem Stand in pruvia.
BuchungsanalyseJournal Entry Testing: 14 Prüfmuster
Welche Muster pruvia im Buchungsjournal sucht, was sie finden und wie Befunde in die Risikobeurteilung gelangen.
PrüfungsartEingeschränkte Revision
Ablauf nach SER, negative Zusicherung, Prüfprogramm mit Leadsheets und Revisionsbericht – und was pruvia dabei übernimmt.
PrüfungsartOrdentliche Revision und IKS
Risikobeurteilung, IKS-Existenzprüfung, Kontrolltests und umfassender Bericht an den Verwaltungsrat – so bildet pruvia sie ab.
ZusammenarbeitUnterlagenliste und Kundenportal
Unterlagen und Fragen mit Frist anfordern, Erinnerungen steuern und Eingänge als Nachweis im Prüfgebiet ablegen.
QualitätsmanagementISQM-CH 1 im Revisionsunternehmen
Acht Komponenten, Nachweise aus den Prüfakten, Nachschau, jährliche Beurteilung sowie Personen, Reglemente und Versicherungen.